Ab in die Anden - Mendoza!

Nach wunderschöner Berlin-Unterbrechung, kaum fünf Tage wieder in Buenos Aires, gab’s ein verlängertes Wochenende (zum Gedenken an den Tod des großartigen, besten, größten aller Befreier: San Martín) - und da bin ich gleich gute 1000km geradewegs in den Westen, nach Mendoza. Weinland Argentiniens, Tor zu den Anden, rühmt sich mit über 300 Sonnentagen im Jahr, hohen Bergen und sternzahl-hektoliterweise tollen Wein.

Ich hab mir ja nicht die Wahrscheinlichkeit ausgerechnet, die nicht-Sonnentage zu erwischen, aber es kam mir dann doch reichlich unwahrscheinlich vor (und ungerecht, jawoll!), gleich drei davon erwischt zu haben. Außerdem dachte ich, da wo Wein angebaut wird, so kalt kann’s da nicht werden, einen frischen Frühling hatte ich mir vorgestellt. Aber Pustekuchen, Mendoza hat mich auch erstmal mit Schnee begrüßt. Bei null Grad etwa, die gefühlte Temperatur natürlich viel tiefer. Auch nach dem Handschuh-Kauf (ein Eingeständnis, welches ich hier im Süden!! nie machen wollte. mpf!) habe ich noch genug gelitten…

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Im tristen Mendoza, auf dem Plaza San Martín, mit San Martín auf seinem Pferd. Dank San Martíns Tod hatte ich ein verlängertes Wochenende und konnte ihn in seiner Heimat besuchen.

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In Mendoza gibt es Oberleitungsbusse! Erinnert mich immer an das hübsche Weimar der Kindheit…

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Maipú und die bodegas

Am ersten Tag gleich zu den Weinanbaugebieten nach Maipú rausgefahren, mir bei Mr. Hugo ein Fahrrad geliehen und ein paar bodegas (Weingüter) besucht. Und dann den Trick entdeckt: Man muss einfach bei ganz vielen Weinprobierrunden mitmachen, und schon ist das mit der Kälte auch radfahrend kein Problem mehr! Großartig. Bei der letzten bodega, die ich besuchen wollte, kam ich schon zu spät um noch eine Tour zu bekommen. Hab mir das Gelände dann kurz einfach so angeschaut und später eine kleine Gruppe entdeckt, die, wie ich dachte, noch dabei waren, eine Tour machen. Hab mich einfach dazugestellt, die sind dann auch noch richtig durch die Anlagen durch (ist gar nicht so schwer, Wein zu machen. Man muss einfach ein paar Trauben nehmen, ein bisschen quetschen, dann einfach immer in verschiedene Behälter kippen, ein bisschen warten, umfüllen, warten, in ein Holzfass, warten, und schon ist der Wein fertig!) - und dann zur Bar wo man Wein kosten kann. Normalerweise musste man dort ordentlich bezahlen für den Wein (es war ein kleines, aber sehr feines Weingut), aber mittlerweile hatte ich gecheckt, dass ich mich da in eine Privatführung für eine befreundete Familie der Besitzer, die selbst ein Olivengut in der Nähe haben und sich gegenseitig beliefern, eingeschlichen habe. Da haben wir dann aber schon lustig die guten Weine probiert und uns gut unterhalten… Ich kann jetzt jedenfalls viel wissender einen Wein probieren, vorher ordentlich schwenken, ein paar Kommentare ablassen über die Geschmacksnote (naja…) und tatsächlich bestätigen, dass ein Cabernet Sauvignon anders schmeckt als ein Malbec. Holla!

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“Weinberg” im Winter in Mendoza. Kann mir jemand erklären, warum in Europa Wein meistens auf Hängen angebaut wird, hier aber auf flachstem Terrain? (Daniel, vielleicht?)

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So sieht’s hinter einer bodega aus…

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Das lebhafte Maipú im Winter.

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Wandmalerei in Maipú: Vollster Respekt, ey!

Zu vorgerückter Stunde brachte ich dann das Fahrrad zurück, und Mr. Hugo und seine Frau haben mich noch auf ein (großes) Glas Wein (den sie sich nur in fünf-Liter Flaschen kaufen…) eingeladen. So schwatzten wir denn auch noch eine Weile, und ich habe zum ersten Mal seit langem Leute getroffen, die nicht ausschließlich auf die Regierung schimpfen.

In dem Bus von Buenos Aires nach Mendoza hatte ich Agustín kennengelernt. Agus ist aus Mendoza (Vater hat selbst ein Weingut…), wohnt aber seit ein paar Jahren in Buenos Aires und besuchte gerade seine Familie. Er hat mich eingeladen, abends mit seinen Freunden was zu machen, und so bin ich dann, zurückgekehrt aus Maipú gleich wieder los. Erst Pizza und Empanadas essen bei Freunden, dann in einen sehr skurilen Club. Sehr skuril… Hab’ mich teilweise ein wenig an From Dusk till Dawn erinnert gefühlt…

Zwischen sieben und acht Uhr früh war ich dann im Hostel, musste um 10 schon wieder raus sein… Der nächste Tag war entsprechend verpeilt. Noch dazu, weil Agus eigentlich mit mir in die Berge fahren wollte, dann aber nicht konnte, weil sein Vater spontan operiert wurde, ich dann alle Pläne geändert habe, und irgendwie dann nichts gemacht habe. Außer gefroren…

Altas Montañas

Für Tag drei, voller Tatendrang, hatte ich dann aber einen Ausflug gebucht, zu den altas montañas (die hohen Berge), bis an die Grenze von Chile, zu den richtig hohen Bergen der Cordillera. Die Anden, schick sind sie! Vor allem war das endlich mal über den Wolken!

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Es gibt in der Gegend zwar auch Pumas, aber wir haben “nur” diese Viecher hier gesehen. Für mich sind das eine Art Reh-Lamas, aber die haben bestimmt einen besseren Namen…

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Die alte Eisenbahnlinie über die Anden nach Santiago de Chile. Ist Mitte der ‘80 eingestellt worden, als die neue Straße gebaut wurde. Soll aber wiederbelebt werden, für den Tourismus und für den steigenden Warenhandel zwischen Argentinien und Chile.

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Die Puente del Inca, eine natürliche Brücke (die es schon lange vor den Incas gab, so seit etwa 80 Millionen Jahren): Da war unten eine Gletscherzunge, dann lagerten sich auf diesem Gletscher Sedimente ab, die sich immer mehr verdichteten, der Gletscher schmolz weg, und zurück blieb diese etwa 150m lange Brücke.

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Der Aconcagua, mit 6962 (bei der letzten Satelliten-Messung hat er noch 3m gewonnen!) der höchste Berg der Welt außerhalb des Himalaya.

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Las Cuevas, argentinischer Grenzort zu Chile, hinter den Bergen ist Chile.

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San Juan

Am vierten Tag fuhr ich nach San Juan, etwa 200km nördlich von Mendoza (hatte meine Rückfahrt von dort), mir blieb aber nur noch ein halber Tag, nur genug für einen kleinen Ausflug zur einzigen Sektkellerei Lateinamerikas in einer natürlichen Höhle und zu den wüstigen kleinen Bergen dadrüber - zu einem Ort mit dem schönen Namen Zonda.

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Zonda

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San Juan

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Auf der Rückfahrt endlich mal Filme im Bus, die man sich auch angucken kann (und keine Schwarzenegger-Triologie…). Dafür danach ganz schrecklicher Latino-Pop (im Bus hat man ja mal Zeit auf den Text zu hören). Wie verliebt (jeden Tag verlieb ich mich mehr in dich! schnief!) und lieb und sehnsüchtelnd und herzzerreißend treu bis auf den Tod die Männer in diesen Liedern immer sind - unglaublich. Und da sagt man, das seien hier alles Machos, die Frauen als Objekte behandeln! Ist doch quatsch, hört doch mal zu…

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